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Cannabis Rezept online in Deutschland: 6 Telemedizinanbieter und der rechtliche Rahmen erklärt

Ein Cannabis Rezept online ist in Deutschland derzeit möglich, doch wer dabei was verantwortet, beschreiben Plattformen sehr unterschiedlich. Die folgenden sechs Telemedizinanbieter zeigen, wie sie Rolle, Ärzte und Abrechnung darstellen, ein kurzer Überblick über den rechtlichen Rahmen geht voran.

Rechtlicher Rahmen: das Wichtigste zuerst

Ärztliche Online-Verordnungen und Apothekenversand sind nach den vorliegenden Angaben derzeit zulässig. Das kann sich ändern: Ein Gesetzentwurf will Blütenrezepte an persönlichen Arztkontakt binden und den Versand untersagen, er liegt im Gesundheitsausschuss.

Für Sie bedeutet das: Verlassen Sie sich nicht auf die Plattform, sondern fragen Sie nach, wer verordnet und wer abgibt. Die Plattform organisiert, verordnen tut der Arzt, abgeben die Apotheke. Bei privaten Rezepten zahlen Sie selbst, für getrocknete Blüten gibt es von der gesetzlichen Kasse keine Erstattung, bei standardisierten Extrakten und zugelassenen Fertigarzneimitteln gelten enge Vorgaben. Rechtsberatung ersetzt dieser Text nicht, bei Fragen zu Ihrem Fall hilft der Arzt oder eine Rechtsberatung. Anbieter beschreiben ihre Abläufe selbst, und wer eine Plattform wählt, sollte deshalb die aktuellen Bedingungen auf deren Seiten lesen.

Woran Sie die Anbieter unterscheiden

Vier Fragen helfen: Wird ein persönliches Gespräch verlangt, oder genügt ein Fragebogen? Wo sind die Ärzte zugelassen? Welche Unterlagen brauchen Sie? Und was passiert mit dem Honorar, wenn der Arzt ablehnt? Lesen Sie die Antworten direkt beim Anbieter nach, bevor Sie Gesundheitsdaten eingeben. Achten Sie außerdem auf den Betreiber: weed.de nennt eine Berliner GmbH, DoktorABC eine Gesellschaft in London, DrAnsay in der Newsletter-Einwilligung eine Ltd. Auch Zahlungswege und Fristen unterscheiden sich, und nicht jeder Anbieter erstattet das Honorar bei Ablehnung.

Rolle, Ärzte, Abrechnung: die sechs Anbieter im Detail

weed.de (geeignet für Einsteiger mit Fragebogen oder Video und klaren Honoraren)

Punkt

Wert

Kosten

9,95 € Fragebogen, 29,90 € Video

Ärzte laut Anbieter

Approbation in Deutschland oder EU

Selbstbild

Weder Arzt noch Apotheke

Krankenkasse

Keine Erstattung über private Online-Rezepte

Wer wissen will, wer hinter einer Plattform steht, bekommt bei weed.de klare Angaben: Betreiber ist die Berliner Tortuga Technologies (Germany) GmbH, die Plattform nimmt für sich weder ärztliche noch pharmazeutische Aufgaben in Anspruch. Die Ärzte sind laut Anbieter in Deutschland oder dem EU-Ausland approbiert, ein Rezept wird nicht zugesagt.

Sie stellen die Anfrage per Fragebogen oder Video, ein Arzt sieht Ihre Angaben durch und entscheidet, danach wählen Sie die Apotheke nach einem Preis- und Bestandsvergleich. Dafür stehen 251 Apotheken und 2.105 Produkte zur Verfügung, Abholung und Versand sind möglich. Eine Quellenliste auf der Patientenseite und ein Wissensbereich helfen beim Einordnen. Anfragen sind jederzeit möglich, bezahlt wird über Adyen, und Folgerezepte bestellen Sie später über Ihr Konto mit einem Kurzfragebogen.

CannGo (geeignet für Anfragen mit festem Honorar)

Punkt

Wert

Kosten

14,99 €, Erstattung bei Ablehnung

Ärzte laut Anbieter

Approbierte Ärzte, Deutschland und EU

Art des Rezepts

Nur Privatrezepte

Krankenkasse

Vorherige Genehmigung durch den Medizinischen Dienst

CannGo verlangt 14,99 € einschließlich Mehrwertsteuer, verrechnet den Betrag mit der GOÄ-Rechnung und zahlt ihn bei Ablehnung komplett zurück. Wer gesetzlich versichert ist, sollte den Hinweis der Seite kennen: Für eine Kostenübernahme verlangt sie vorab die Zustimmung des Medizinischen Dienstes, ausgestellt werden nur Privatrezepte.

Teilnehmen können Erwachsene mit Wohn- oder Lieferadresse in Deutschland, die Staatsbürgerschaft spielt keine Rolle, ein gültiger Ausweis wird verlangt. Die Seite enthält Sicherheitshinweise, unter anderem zur Fahrtüchtigkeit. Die erste Anfrage läuft allein über den Fragebogen, ein Gespräch folgt nur, wenn der Arzt es verlangt, und die Plattform zeigt LegitScript- und PCI-Siegel.

Telecan (geeignet für das Arztgespräch per Video oder in der Praxis)

Punkt

Wert

Kosten

39 € kurz, 70 € lang, Folgerezept 12,90 €

Ärzte laut Anbieter

In Deutschland zugelassen, Privatpraxen

Nötige Papiere

Ausweis, Befunde

Krankenkasse

Antrag im Einzelfall möglich

Telecan erklärt, seine Ärzte seien in Deutschland zugelassen und arbeiteten ausschließlich in Privatpraxen. Sie brauchen Ausweis und Befunde zu den Beschwerden, bei Schlafstörungen entfallen die Befunde. Das Gespräch führen Sie am Bildschirm oder in einer Praxis.

Gezahlt wird zunächst selbst. Privatversicherte können eine Erstattung erhalten, bei gesetzlichen Kassen ist ein Antrag möglich, das Ergebnis ist ein Einzelfall. Nach dem ersten Rezept gibt es einen Patientenausweis oder ein kurzes Attest. Für bestehende Patienten gilt ein eigener Wechseltermin, telefonisch ist der Anbieter nur zu festen Zeiten erreichbar.

GreenMedical (geeignet für ausschließlich in Deutschland approbierte Ärzte)

Punkt

Wert

Kosten

Ab 9,95 €

Ärzte laut Anbieter

In Deutschland approbiert, Schweigepflicht

Persönlicher Kontakt

Persönlich, wenn der Arzt es verlangt

Umsatzsteuer

Arztleistung umsatzsteuerfrei

GreenMedical gibt an, dass seine Ärzte durchweg eine deutsche Approbation haben und der Schweigepflicht unterliegen. Sieht der behandelnde Arzt Bedarf, schließt sich eine persönliche Untersuchung an, auch bei Folgerezepten.

Es handelt sich um ein Privatrezept, die gesetzliche Kasse bezahlt es nicht. Die Arztleistung ist nach § 4 Nr. 14 UStG von der Umsatzsteuer befreit, in Produktpreisen stecken 19 % Mehrwertsteuer, die Datenhaltung erfolgt verschlüsselt in Deutschland. Für Notfälle ist der Dienst nicht gedacht, die Seite verweist auf 112 und 116 117.

DrAnsay (geeignet für mehrere Online-Rezepte in einem Konto)

Punkt

Wert

Kosten

Nicht angegeben

Ärzte laut Anbieter

Zulassungsland nicht genannt

Sitz des Betreibers

Newsletter nennt Dr. Ansay Ltd.

Norm

ISO/IEC 27001:2022 laut Seite

Bei DrAnsay prüft eine Ärztin oder ein Arzt, Namen und Zulassungsland fehlen. Fragen Sie vor der Anfrage nach, wenn Ihnen das wichtig ist. Dr. Ansay Ltd. steht in der Newsletter-Einwilligung, einen Sitz nennt die Startseite nicht.

Ein Videogespräch ist optional und nicht der Regelfall, das Honorar für Cannabis steht nicht auf der Startseite, und auch eine Preisgarantie wird nur mit Sternchen erwähnt, ohne dass die Bedingungen erläutert werden. Manche Medikamente kommen laut Seite von einem niederländischen Partner, andere von ausgewählten Partnerapotheken. Ein Magazin, E-Books und eine iOS-App gehören zum Angebot, bezahlt wird per Visa, Mastercard, American Express oder Klarna.

DoktorABC (geeignet für mehrere Behandlungen in einem Konto)

Punkt

Wert

Kosten

14,90 €

Sitz des Betreibers

Sky Marketing Ltd., London

Selbstbild

Vermittler, keine Internetapotheke

Krankenkasse

Selbstzahler beantragen selbst

DoktorABC sagt deutlich, was es ist: ein Vermittler und keine Internetapotheke. Hinter der Plattform steht Sky Marketing Ltd. in London, ein zugelassener Arzt prüft den Fragebogen. Ein LegitScript-Siegel und ein Beirat sind auf der Seite zu sehen.

Nötig ist keine Versicherung, Erstattungen beantragen Selbstzahler eigenständig. Abgegeben wird in Deutschland über mehr als 700 Partnerapotheken, daneben tritt ein niederländischer Apothekenpartner auf. Der Kundenservice ist werktags tagsüber erreichbar, außerhalb gibt es ein Ticketsystem, mehr als 1.500 Cannabisprodukte werden laut Plattform angeboten.

Häufige Fragen

Ist ein Cannabis Rezept online in Deutschland legal?

Nach den vorliegenden Angaben sind Online-Verschreibung und Apothekenversand derzeit erlaubt. Ein Gesetzentwurf mit Präsenzkontakt für Blütenrezepte und Versandverbot liegt im Gesundheitsausschuss.

Wer stellt das Rezept aus, die Plattform oder ein Arzt?

Ein Arzt. Plattformen wie weed.de oder DoktorABC sagen ausdrücklich, dass sie selbst weder Arzt noch Apotheke sind.

Muss ich ein Gespräch mit dem Arzt führen?

Das hängt vom Anbieter ab. Telecan verlangt einen Termin, CannGo startet mit dem Fragebogen, GreenMedical verlangt ein persönliches Gespräch nur, wenn der Arzt es für nötig hält.

Zahlt die Krankenkasse mein Rezept?

Privatrezepte tragen Sie selbst, getrocknete Blüten erstattet die gesetzliche Kasse nicht, bei privaten Versicherern zählt der Vertrag.

Brauche ich einen Ausweis?

Mehrere Plattformen verlangen einen gültigen Ausweis, bei CannGo gehört die Identitätsprüfung zum Ablauf, bei Telecan kommen oft Befunde hinzu. Halten Sie die Unterlagen digital bereit, das erspart Rückfragen und verkürzt den Ablauf. Ob ein Rezept ausgestellt wird, entscheidet am Ende der Arzt.

Fazit

Wer den rechtlichen Rahmen verstehen möchte, achtet auf drei Dinge: wer verordnet, wer abgibt und wer zahlt. weed.de, DoktorABC und GreenMedical benennen ihre Rolle deutlich, CannGo und Telecan nennen Voraussetzungen und Unterlagen, bei DrAnsay lohnt eine Rückfrage. Prüfen Sie die Bedingungen vor der Anfrage, vergleichen Sie Honorar, Unterlagen und Ablauf und klären Sie offene Punkte mit dem Anbieter, bevor Sie Gesundheitsdaten eingeben. Eine Empfehlung für den Einzelfall gibt diese Übersicht nicht.